Sonntag 21. Oktober 2018
Pressemeldungen 2018

Über 30.000 tiefgekühlte Embryonen in Österreich!

Mit mehrmonatiger Verspätung veröffentlichte „Gesundheit Österreich“ erstmals die gesetzlich vorgeschriebene Statistik zur Samen- und Eizellspende sowie zur Präimplantationsdiagnostik. Drei Jahre nach Inkrafttreten des Fortpflanzungsmedizingesetzes erfährt die Öffentlichkeit nach wie vor zu wenig, kritisiert aktion leben österreich. „Aber das Wenige gibt Anlass zur Sorge: In Österreich werden derzeit über 30.000 Embryonen tiefgekühlt gelagert!“

 

Unter dem Titel „Statistik gemäß § 21 FMedG“ veröffentlichte die Bundesstelle „Gesundheit Österreich“  mit Monaten Verspätung die gesetzlich vorgeschriebenen Daten zu Samen- und EIzellspende sowie zur Präimplantationsdiagnostik (PID). Damit sollte erstmals eine Beurteilung der 2015 eingeführten Eizellenspende sowie der PID möglich sein. Diese bleibt die Statistik allerdings weitgehend schuldig, stellt der unabhängige Verein aktion leben österreich fest.

 

30.238 eingefrorene Embryonen 
So mangelhaft die Informationen der Statistik sind, so wurde zumindest erstmals die Zahl der gelagerten tiefgefrorenen Embryonen bekanntgegeben. „Derzeit sind 30.238 sogenannte entwicklungsfähige Zellen eingefroren – das entspricht fast der Einwohnerzahl von Feldkirch“, erklärt Martina Kronthaler, Generalsekretärin der aktion leben. Das ist die Zahl, die sich in zehn Jahren angesammelt hat. Nach dieser Frist müssen die jeweiligen Embryonen vernichtet werden. Kronthaler betont: „Es handelt sich um embryonale Menschen. Die hohe Zahl zeigt, dass die Problematik der überzähligen Embryonen bisher vernachlässigt wurde und völlig ungelöst ist.“

 

Wie viele Kinder werden nach Eizell- und Samenspenden geboren?
Martina Kronthaler  benennt entscheidende Lücken in der Datenerhebung: „Wir erfahren, wie oft fremde Samen und Eizellen verwendet wurden. Wir erfahren aber nicht, wie oft danach ein Kind geboren wurde.“ Gesundheitliche Probleme der schwangeren Frauen und der Kinder würden ebenfalls nicht erfasst. „Das heißt: Die Statistik ist völlig ungenügend, um die Eizellspende hinsichtlich ihres Nutzens und hinsichtlich ihrer Risiken für Spenderinnen, Empfängerinnen und Kinder beurteilen zu können“, fasst Kronthaler zusammen.

 

Zur Qualitätskontrolle der PID ungeeignet
Dasselbe Bild ergebe sich bei der PID: Sie wurde 55 mal angewandt, um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen. Aber die Statistik verrät nicht, ob es danach zu einer Schwangerschaft gekommen ist. 20 Mal wurde die PID aufgrund der genetischen Disposition der Eltern, eine schwerwiegende Erkrankung weiterzugeben, durchgeführt. Die bewilligten Krankheiten nennt die Statistik, aber nicht, wie oft die einzelnen Tests angewandt wurden und wie oft die Krankheiten tatsächlich gefunden wurden. „Unter dem Strich muss man festhalten: Zur Qualitätskontrolle des neuen und umstrittenen Verfahrens der PID ist die Statistik unbrauchbar“, sagt die aktion leben-Generalsekretärin.

 

Paare mit Kinderwunsch über Risiken informieren
Einmal mehr betont der Verein, dass einerseits die Statistik verbessert werden müsste. „Und zum anderen brauchen wir dringend eine wissenschaftliche Erforschung der Risiken, die Mutter und Kind bei einer IVF und die Frauen mit Eizellspenden eingehen“,  bringt Kronthaler die Forderungen der aktion leben ein.  Es sei nicht tragbar, dass Paare mit Kinderwunsch völlig uninformiert über die Risiken und Folgen von Techniken der Fortpflanzungsmedizin für die Frauen und die Kinder bleiben.

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