Mittwoch 25. April 2018
Pressemeldungen 2018

Frauenvolksbegehren: eine vergebene Chance auf echte Wahlfreiheit

Dem Ziel nach soll das Frauenvolksbegehren allen Frauen und Männern nützen. „Die Forderung nach Bezahlung von Schwangerschaftsabbrüchen polarisiert allerdings. Das für Frauen so wichtige Thema krisenhafte Schwangerschaften wird auf eine Extremforderung reduziert“, bedauert Mag. Martina Kronthaler, Generalsekretärin von aktion leben österreich. „Die Chance, Frauen zu vereinen, wurde dadurch vergeben.“ Der unabhängige Verein, der seit Jahrzehnten für Frauen arbeitet und für Frauenrechte eintritt, unterstützt daher das Frauenvolksbegehren nicht.

 

Das Frauenvolksbegehren enthält hochrelevante Forderungen, um Gerechtigkeit, Selbstbestimmung und Schutz vor Gewalt für Frauen zu erreichen und Frauen- und Kinderarmut zu bekämpfen. Ein gutes Leben für alle zu fördern steht aber im Widerspruch dazu, bei ungewollten Schwangerschaften Frauen nichts anderes anbieten zu wollen als den öffentlich bezahlten Schwangerschaftsabbruch: „Es werden zwar Beratungsstellen zu Schwangerschaftsabbruch gefordert. Notwendig sind aber staatlich finanzierte Schwangerenberatungsstellen, die ergebnisoffen darüber informieren, welche Möglichkeiten ungeplant schwangere Frauen haben, damit sie sich auch für das Kind entscheiden können. Nur wenn eine Frau konkrete Alternativen zum Abbruch vorfindet, hat sie echte Wahlfreiheit“, betont Kronthaler.


Hilfe für ein Leben mit Kind schwer zu bekommen

„Es ist eine Tatsache, dass es in Österreich wesentlich einfacher ist, einen Abbruch zu bekommen als Hilfe für ein Leben mit dem Kind“, beobachtet die aktion leben-Generalsekretärin. „Wir wissen aus jahrzehntelanger Erfahrung, wie schwierig der Weg zu einer tragfähigen Entscheidung oft ist. Das kann eine ärztliche Beratung über den Schwangerschaftsabbruch, die vor allem das medizinische Prozedere abklärt, nicht leisten. Dafür braucht es mehr gesicherte Angebote von unabhängiger Schwangerenberatung.


Mutter-Kind-Fonds und Anspruch auf umfassende Informationen

Um echte Wahlfreiheit für Frauen zu erreichen, fordert aktion leben nachdrücklich das Einrichten eines gut dotierten Mutter-Kind-Fonds nach deutschem Vorbild. Deutschland wendet Jahr für Jahr ca. 100 Millionen Euro dafür auf, dass Frauen rasch verfügbare Hilfen für ein Leben mit Kind erhalten. Darüber hinaus sollen ÄrztInnen verpflichtet werden, die Frauen über unabhängige Beratungsstellen, die materielle und psychosoziale Hilfe anbieten, zu informieren. "Frauen entscheiden sich für Kinder, wenn sie darauf vertrauen können, dass sie es mit dem Kind gut schaffen werden“,  betont Kronthaler. „Wir warnen deshalb vor Scheinlösungen wie der Übernahme der Abbruchkosten durch die Krankenkassen, noch dazu, ohne die derzeitige Situation überhaupt genau zu kennen. Das kann schwangere Frauen noch mehr unter Druck setzen, ihr Problem möglichst rasch und bequem für ihr Umfeld durch einen Abbruch zu lösen.“


Problem unserer Zeit: perfektes Kind zum perfekten Zeitpunkt

Ein enormes Problem im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt blendet das Frauenvolksbegehren zur Gänze aus: Frauen wird schnell vorgeworfen, sie seien zu jung, zu alt, hätten schon genug Kinder. Sie sollen ein gesundes Kind zum richtigen Zeitpunkt zur Welt bringen. „Diese Erwartungen machen einen ungeheuren Druck auf Frauen, der noch viel zu wenig thematisiert wird. Wir fordern hier gesellschaftspolitische Lösungen statt rein medizinischer wie Fortpflanzungsmedizin und Pränataldiagnostik“, fordert Kronthaler. „Wir alle sind aufgefordert zu handeln, dass Frauen in ihrer fruchtbaren Zeit Kinder bekommen können und jedes Kind willkommen ist.“

 

Notwendiger erster Schritt: Mehr Wissen über Abbrüche!

Der Verein verweist auf die Bürgerinitiative „Fakten helfen!“: Mit ihr fordern fast 54.000 UnterstützerInnen, auch in Österreich eine seriöse und anonyme Abbruch-Statistik zu führen. Ebenso sollen die Gründe für Abbrüche in regelmäßigen Abständen wissenschaftlich erforscht werden. Dies ist eine unabdingbare Basis für Maßnahmen der Prävention von ungewollten Schwangerschaften, die auch überprüft werden können. Alle Infos zu "Fakten helfen!" und den Link zum Unterzeichnen finden Sie unter www.fakten-helfen.at.

 

Verhütung darf nicht an Kosten scheitern

Die vom Frauenvolksbegehren angesprochenen Bemühungen der Prävention begrüßt der Verein. „Mehr Sexualpädagogik, in der Mädchen und Burschen ihre Fruchtbarkeit als positive Kraft wahrnehmen lernen und über Methoden der Verhütung informiert werden, begrüßen wir sehr. Auch darf Verhütung nicht an den Kosten scheitern“, erklärt Kronthaler. Mit der öffentlichen Finanzierung nach dem Gießkannenprinzip sei es aber nicht getan, da Verhütungspannen vor allem auf Anwendungsfehler und auch Ambivalenzen gegenüber einer Schwangerschaft zurückzuführen sind.

 

 

Aussendungen anderer Organisationen zum Frauenvolksbegehren:

>> Katholischer Familienverband: Frauenvolksbegehren hat erwerbstätige Frauen ohne Betreuungspflichten im Focus!

>> Katholische Jugend Österreich äußert Skepsis zu Frauenvolksbegehren

>> aktion leben salzburg: Frauenvolksbegehren 2018

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